Das Café war laut auf die sanfte Art, wie Städte an einem Dienstagnachmittag halt sind. Am Nebentisch hat ein Mann Ende sechzig versucht, bar zu zahlen. Die junge Barista hat die Scheine angeschaut, als wär’s Museumszeug, hat gelacht und gemeint: „Des is ja vintage.“ Der Mann hat gschmunzelt, sein Geldtascherl z’samgklappt und is mit einer Ruhe weggegangen, die ma nimmer oft sieht. Ka Stress, ka Hektik, ka Bedürfnis, irgendwas drüber zu posten. Nur a kleines Achselzucken zur Seltsamkeit von der modernen Welt.
Draußen hat er Kopfhörer aufgesetzt, so groß wie a Salatschüssel, und is über die Straße, ohne auch nur einmal aufs Handy zu schaun. Er hat sich bewegt mit der unaufgeregten Sicherheit von jemandem, der die Welt eh schon dreimal wechseln gsehn hat und ned in Panik verfällt, wenn’s wieder kippt. Irgendwas an ihm hat sich anders angfühlt als die leuchtenden Bildschirme rundherum.
Psycholog*innen sagen, dieser Unterschied is ka Nostalgie. Es san neun mentale Stärken, die still und leise a ganze Generation geprägt haben.
1. Toleranz für Langeweile und Stille
Leut, die in den 60ern und 70ern aufgwachsen san, haben glernt, was Warten heißt. An der Bushaltestell. Beim Doktor. Vor’m Fernseher, Minuten zählend, bis die Lieblingssendung anfängt. Ka Streaming, ka Endlos-Scrollen, ka Sofort-Ablenkung.
Ihre Hirne haben glernt, die leeren Zwischenräume auszuhalten. Aus’m Fenster zu schaun. Vor sich hin zu träumen. Diese langsame, ruhige Langeweile hat a Art mentalen Muskel aufgebaut: die Fähigkeit, bei einem Moment zu bleiben, auch wenn er ned unterhaltend is. Heut wirkt das wie a Superkraft.
Frag wen, der 1968 aufgwachsen is, was er auf langen Autofahrten gmacht hat, und du hörst: „Aus’m Fenster gschaut. Vielleicht gstritten. Vielleicht gsungen.“ A Studie von der University of Bath (2023) hat gfundn, dass kurze Phasen von Langeweile Kreativität und Problemlösen deutlich steigern können. A 60er–70er-Kindheit war praktisch a Live-Labor dafür.
Die waren ned absichtlich „achtsam“. Die waren halt hinten am Rücksitz eingeklemmt, mit nix außer den eigenen Gedanken und dem Radio. Diese Leere, tausendmal wiederholt, hat ihnen still beigebracht, die Gedanken wandern zu lassen, zu fantasieren, und ohne Dauer-Input zurechtzukommen.
Heut reden Psycholog*innen von „Stimulus-Hunger“ – dem Bedürfnis, ständig unterhalten zu werden. Viele Jüngere werden nervös ohne Hintergrundgeräusch oder Screen. Wer vor der digitalen Flut aufgwachsen is, hat oft a tiefere Toleranz für Stille. Ihr Nervensystem hat früh glernt: Es passiert nix Schlimmes, wenn grad nix passiert.
Das macht sie ned „besser“, nur anders. Aber in einer Welt, die nie aufhört zu schreien, wird die Fähigkeit, Langeweile auszuhalten ohne Panik, selten – und irgendwie wertvoll.
2. Praktische Widerstandskraft: reparieren, anpassen, durchwurschteln
Wennst in den 60ern oder 70ern aufgwachsen bist und was is kaputt gangen, hast versucht, es zu reparieren. Radios, Räder, Kassettenrekorder, der Reißverschluss vom einzigen Wintermantel. Wegschmeißen war ned der erste Reflex. Du hast’s aufgmacht. Herumprobiert. An Onkel gfragt, „der kennt wen“.
Diese Alltags-Improvisation hat a leise Form von Resilienz gebaut. Probleme waren ned abstrakt; die waren greifbar. Du hast sie angreift, umdreht, und nach einem Weg gesucht.
A Frau, die 1974 in einer winzigen Wohnung aufgwachsen is, erinnert sich: Waschmaschine mitten im Winter hin. Ka Geld für a neue. Die Mutter hat die Badewanne gfüllt, Seife dazu, und Waschtag is zu einem lauten Ritual worden – Kinder, die die Wäsche gstampft haben wie Trauben. Romantisch war das damals ned. Es war Notwendigkeit.
Solche Szenen wiederholen sich bei der Generation: Antennen mit Alufolie umwickelt, Fernsehsender mit a Zange gschaltet, Möbel repariert mit dem, was grad herumglegen is. Die Botschaft drunter war brutal und klar: Diese Woche kommt keiner zum Retten. Du findest a Lösung.
Moderne Psychologie nennt das „Selbstwirksamkeit“ – der Glaube, dass du schaffst, was das Leben dir hinwirft. Die 60er–70er-Generation hat das in tausend gewöhnlichen Mini-Krisen geübt. Das heißt ned, dass sie nie gestruggelt haben. Es heißt, sie haben sich a Grundreflex aufgebaut: Bevorst aufgibst, probier was.
In einer Kultur, wo viele Probleme heut mit Support-Ticket oder Ersatzbestellung gelöst werden, fällt diese Hands-on-Resilienz auf. Ned heldenhaft. Nur die stille, sture Entscheidung, a bissl länger drin zu bleiben.
3. Mit Unsicherheit und echtem Risiko leben
Aufwachsen mit Kaltem Krieg, Ölkrisen und politischen Attentaten hat bedeutet: Die Welt hat sich nie ganz stabil angfühlt. Sirenen, Übungen, Nachrichtensprecher mit ernster Stimme – Angst war Teil vom Hintergrund. Und trotzdem haben Kinder bis zur Dämmerung draußen gspielt. Eltern haben Urlaub plant. Leut haben sich verliebt, Häuser kauft, Bäume pflanzt.
Diese Mischung – echte Gefahr plus Alltag – hat a seltsame mentale Stärke gschmiedet: die Fähigkeit, unter einem leisen, dauernden Summen von Unsicherheit zu funktionieren.
Viele, die in den 60ern Kinder waren, erinnern sich an Schulübungen, wo man sich bei möglichem Atomangriff unter den Tisch duckn musste. Heut klingt das fast theatralisch, damals war’s todernst. Die Bedrohung war real. Psycholog*innen, die diese Zeit untersuchen, sagen: Chronische Hintergrundangst hat Menschen ned immer gebrochen; oft hat’s sie dazu bracht, sich umso fester in Routinen zu verankern.
Sie haben glernt, ned auf den perfekten, risikofreien Moment zu warten – weil der offensichtlich ned kommen wird. Also haben’s weitergmacht: Karrieren, Familien, soziale Bewegungen, Bands in Garagen, die die Wände zum Wackeln bracht haben.
Heutige Klimaangst und wirtschaftliche Unsicherheit erinnern an damals, nur mit einem Twist: unsere Informationsströme san lauter und konstanter. Wer in den 60ern–70ern aufgwachsen is, trägt oft ein anderes inneres Skript: „Ja, die Welt is fragil. War’s immer. Du kannst trotzdem wählen, wer du drin bist.“
Das nimmt die Angst ned weg. Aber sie haben geübt, neben ihr zu leben. Psychologisch: Toleranz für Unsicherheit – handeln, ohne totale Klarheit. In einer Zeit von Overthinking und Analyse-Lähmung is diese ruhige, leicht fatalistische Courage selten.
4. Starke Offline-Bindungen und gemeinsames Erinnern
Vor Gruppen-Chats und DMs war dein Netzwerk körperlich. Der Nachbar, der aus’m Fenster schaut. Die Freundin, die nach der Schule anläutet. Der Cousin, der deine peinlichsten Geheimnisse kennt, weil er eh dabei war, wie’s passiert is.
So aufzuwachsen hat a Art Beziehungshärte aufgebaut. Streit musstest du face-to-face regeln. Du konntest ned einfach wen blockieren und verschwinden. Du bist am nächsten Tag dieselben Straßen gangen, bist in der Klasse nebendran gsesessen, hast ihn am Familientisch gsehn.
Stell dir den 70er-Teenager vor, dessen bester Freund drei Gassen weiter wohnt. Streit am Freitag – am Wochenende spielt’s sich im Kopf ab, vielleicht probiert man eine Entschuldigung aus. Am Montag trifft man sich beim Schultor, Wangen rot, und irgendwie wird’s wieder zurechtg’ruckelt. Diese peinliche, schwitzige Reparaturarbeit is Beziehungstraining pur.
Forschung zur langfristigen psychischen Gesundheit kommt immer wieder auf eins zurück: Qualität von Beziehungen. Die Vor-Digital-Zeit hat die Leute gezwungen, das in Echtzeit zu lernen – ohne den Shortcut, hinter einem Screen zu verschwinden. Es hat mehr weh getan. Und es hat tiefer gebunden.
Gemeinschaft war ka Hashtag; das waren die echten Leut, die genau gewusst haben, was deine Eltern fahren und wie dein Opa geht. Das heißt ned, dass alles warm und unterstützend war. Manche Communities waren hart, tratschig oder einengend. Trotzdem gab’s a gemeinsames Gedächtnis: „Wir san miteinander durch was durch.“
In Therapie sagen viele Jüngere, sie fühlen sich einsam in hypervernetzten Leben. Ältere Klient*innen, aufgwachsen in den 60ern–70ern, zeigen oft a andere Basis: vielleicht weniger Kontakte, aber dickere Bindungen. Sie haben früh glernt, dass ma manchmal bleibt – auch wenn’s unangenehm is. Diese Verpflichtung – fehlerhaft, chaotisch, echt – wird seltener.
5. Fokus ohne viel Reibung und Geduld
Hausübung 1972: Bücher am Tisch, vielleicht schreit ein Geschwisterl im Nebenzimmer, und das langsame Kratzen vom Kugelschreiber. Ka Notifications. Ka Nebenbei-Video. Ka Tabs. Nur du, die Seite und die Uhr an der Wand.
Das war ned automatisch „besser“, aber es hat was trainiert, das heut fast exotisch wirkt: in eine Aufgabe eintauchen und dort bleiben.
Ein pensionierter Ingenieur erinnert sich, wie sein Vater gesagt hat: „Wennst a Arbeit anfängst, mach die Seite fertig, bevorst aufstehst.“ Damals war’s streng. Jahre später im lauten Großraumbüro voller Unterbrechungen hat er gmerkt: Diese alte Regel hat ihm an Vorteil gegeben. Er konnte immer noch „einrasten“, wenn’s Projekt es braucht hat.
Neurowissenschafter reden von „Aufmerksamkeitskontrolle“ – deinen Fokus steuern, statt von ihm gezogen zu werden. Wiederholte lange, ruhige Strecken mit Büchern, Puzzles, Plattenspielern oder einfach Helfen in der Garage haben das subtil gestärkt. Der Kopf hat glernt: Er braucht ned alle paar Sekunden neuen Reiz.
Unsere heutige Aufmerksamkeitsökonomie zieht genau in die Gegenrichtung. Apps sind so gebaut, dass sie Fokus zerstückeln. Wer vor dieser Design-Revolution aufgwachsen is, hat Aufmerksamkeit in einer weniger feindlichen Umgebung aufgebaut. Viele haben sich diese Deep-Work-Fähigkeit behalten, fast ohne’s zu merken.
Sie nennen’s vielleicht „einfach weitermachen“, aber drunter steckt a Stärke: Geduld, bei etwas zu bleiben, das dich ned sofort belohnt. In einer Welt von Sofort-Likes und schnellen Dopamin-Kicks wirkt diese Geduld altmodisch – und leise mächtig.
6. Emotionale Sparsamkeit und realistische Erwartungen
In vielen Haushalten der 60er–70er war Geld knapper. Urlaub war selten. Gewand wurde weitervererbt. Kleine Freuden waren genau das: selten, ausgehandelt, erwartet. Du hast die ganze Woche aufs Sonntagsdessert gwartet. Münzen im Glas gspart.
Das hat einen emotionalen Grundton geprägt: Du hast ned erwartet, dass das Leben ständig aufregend oder bequem is. Du hast auf gute Momente gehofft, aber dich ned betrogen gfühlt, wenn Tage einfach nur … normal waren.
Psychologisch hat das geformt, was Forscher*innen „realistischen Optimismus“ nennen. Ned die glänzende „alles is super“-Version, sondern a geerdete Haltung: Das Leben is gemischt. Gut, schlecht, fad, überraschend. Viele aus der Zeit haben hohe Dankbarkeit für kleine Gewinne entwickelt, weil’s davon ned dauernd zu viel gab.
A Studie aus 2020 zu Lebenszufriedenheit über Generationen hinweg hat gzeigt, dass ältere Erwachsene oft mehr Zufriedenheit aus einfachen Routinen ziehen – Kaffee am Balkon, a Telefonat, a Spaziergang. Sie haben ihr Belohnungssystem eher aufs Subtile trainiert, ned nur aufs Spektakel.
Moderne Kultur verkauft dauernd Peak-Erlebnisse. Jeder Abend soll besonders sein, jeder Job sinnvoll, jede Beziehung seelenerschütternd. Das is anstrengend. Wer mit weniger Auswahl und weniger Überfluss aufgwachsen is, hat oft ein gnädigeres Skript: „Manche Tage san halt Tage.“
Das is ka Resignation. Das is Standfestigkeit. Erwartungen sind von Grenzen geformt, und wenn das Leben bloß okay is, fühlen sie sich ned ausgeraubt. Diese emotionale Sparsamkeit – Freude strecken, das Vorhandene auskosten – schützt leise gegen chronische Enttäuschung.
7. Innerer Kompass statt Dauer-Feedback
Stell dir vor, du bist Teenager und musst a ganze Woche warten, bis du weißt, ob irgendwer deine Band gmocht hat – weil Feedback erst beim nächsten Schulfest kommt. Ka Sofort-Likes, ka Views, ka Kommentare. Nur peinliche Gesichter in einer dunklen Halle und vielleicht wer sagt: „Eh ned schlecht, ihr.“
In so einer Welt mussten viele mehr auf ihr eigenes Gefühl hören, was sich richtig anfühlt. Anerkennung wollten’s trotzdem – so san Menschen. Aber die Feedback-Schleifen waren langsamer. Diese Verzögerung hat Platz für eine innere Stimme gemacht.
Ein Mann, aufgwachsen 1971, erinnert sich, wie er stundenlang gezeichnet und seine Skizzen nur einer Lehrerin und seiner Schwester gezeigt hat. „Manchmal hat keiner was gesagt“, sagt er, „also hab ich selber entscheiden müssen, ob ich weiter mach.“ Dieses private Entscheiden is Kern dessen, was Psycholog*innen „internale Kontrollüberzeugung“ nennen.
Statt vom Außen zu leben und zu sterben, legst zuerst deine eigenen Maßstäbe an. Du kannst trotzdem drauf geben, was andere denken – aber du gehörst ihnen ned.
In einer Zeit, wo alles, was wir posten, sofort Zahlen kriegt, wird so ein innerer Kompass seltener. Wer ihn in den 60ern–70ern aufgebaut hat, hat das leise gemacht, fast zufällig – in Kinderzimmern, Garagen und halbleeren Sportplätzen.
Sie haben glernt, bei Hobbys, Werten, politischen Überzeugungen oder schrägen Vorlieben dranzubleiben, auch wenn keiner klatscht. Seien wir ehrlich: Das macht eh kaum wer jeden Tag. Aber viele aus der Generation haben’s zumindest geübt. Und diese Übung wird später zu stiller Sicherheit: „I brauch ned von allen Zustimmung, damit i weiß, wer i bin.“
8. Akzeptanz von Unperfektheit und „passt eh“
Fotos sind vom Labor zurückkommen mit roten Augen, verwackelt, schief. Du hast sie trotzdem behalten. Fernsehen hat rauscht. Platten haben gzischt. Gewand war ned maßgeschneidert; es hat „eh passt“. Das Leben hat überall Kanten, Glitches und Rauigkeit ghabt.
Diese ständige Nähe zur Unperfektheit hat geprägt, wie Menschen sich selbst und andere sehen. Fehler waren normal, ka Krise.
Psychologisch hat das genährt, was man heut „leichte Selbstmitgefühl-Variante“ nennen könnt: a Grundtoleranz, a bissl wurschtig zu sein. Du hast ned erwartet, dass dein Haus, dein Körper, deine Familie, deine Arbeit ausschauen wie ein kuratierter Feed. Du hast erwartet, dass’s teils lieblich, teils peinlich is.
Am Familiensofa 1977: drei Kinder, a Hund, Brösel, und a Fernsehbild, das manchmal gerollt hat. Keiner is ausgezuckt, um jedes Detail zu richten. Die Latte war anders.
Heut setzt hochauflösendes Alles einen brutalen Standard. Gesichter san gefiltert, Räume inszeniert, Geschichten geschnitten. Viele Jüngere wachsen in einer visuellen Welt auf, wo „normal“ makellos is. Ergebnis: mehr Druck, mehr Scham, mehr leises Gefühl, ned zu genügen.
Wer in den 60ern–70ern aufgwachsen is, trägt oft diese subtile Leichtigkeit: Wenn der Kuchen a bissl zusammenfällt, isst ma ihn trotzdem. Wenn das Foto grauslich is, lacht ma und pickt’s an den Kühlschrank. Diese „passt eh“-Akzeptanz killt Ambition ned. Sie schützt nur vor der Spirale: „Wenn’s ned perfekt is, is es wertlos.“
9. Langfristiges Denken durch langsameren Wandel
In einer Welt, wo Technik alle paar Jahre upgedatet hat – ned alle paar Monate –, haben Entscheidungen schwerer und langfristiger gfühlt. Du hast a Platte gekauft in dem Wissen, das is vielleicht die einzige für längere Zeit. Du hast an Beruf gewählt mit der Idee, dass du Jahrzehnte drin bleibst.
Diese langsameren Zyklen haben eine mentale Gewohnheit trainiert: in Jahren denken, ned in Tagen.
Ein Teenager 1975, der für a Gitarre spart, hat vielleicht den ganzen Sommer dafür gearbeitet. Diese Verzögerung näht a Geschichte ins Objekt: Aufwand, Warten, Zweifel, dann Belohnung. Psycholog*innen kennen das als aufgeschobene Bedürfnisbefriedigung, berühmt getestet in den „Marshmallow-Experimenten“. Das hängt stark mit besseren Outcomes im Erwachsenenleben zusammen.
Auch wenn diese Studien heut kritisiert werden: Die Grundidee bleibt – warten und fürs Später investieren prägt, wie du fast alles angreifst: Beziehungen, Gesundheit, Geld.
Wer mit langsameren technischen und kulturellen Veränderungen aufgwachsen is, hat ned dauernd sein Aufmerksamkeitszentrum vom „nächsten großen Ding“ kapern lassen. Dadurch war mehr emotionaler Raum fürs Dranbleiben: Sparpläne, Anliegen, schräge lebenslange Hobbys.
In einer Kultur, die auf Overnight-Erfolg und Viral-Momente fixiert is, is diese Langsicht ungewöhnlich. Sie hilft, schlechte Wochen – oder sogar schlechte Jahre – auszuhalten, ohne alles niederzubrennen. Das is ka Stoizismus aus einem Buch; das is ein Mindset, geschnitzt durch viele Zyklen von „jetzt is es soweit“, die sich dann doch wieder als „doch ned“ herausgestellt haben.
| Schlüsselpunkt | Detail | Nutzen für Leser*innen |
|---|---|---|
| Resilienz gegen Langeweile | Aufgewachsen mit langen Phasen unstrukturierter, offline Zeit | Hilft, Stille auszuhalten und kreativer zu denken |
| Praktisches Problemlösen | Reparieren, anpassen und mit wenig Ressourcen „durchwurschteln“ gelernt | Baut Selbstvertrauen im Umgang mit modernen Hürden auf |
| Innerer Kompass | Meinungen und Leidenschaften ohne dauernde externe Bestätigung entwickelt | Reduziert Stress durch Likes, Kommentare und soziale Anerkennung |
Wie man sich diese 9 Stärken heute ausborgt
Du musst ned nach 1973 zurückreisen, um dieselben mentalen Muskeln aufzubauen. Du kannst dir still und leise Teile von der damaligen Welt in dein modernes Leben holen. Fang schmerzhaft klein an. Zehn Minuten ohne Handy in der Hosentasche. Eine Busfahrt, wo du absichtlich aus’m Fenster schaust. Ein Spaziergang ohne Kopfhörer.
Probier, was Billiges zu reparieren statt zu ersetzen. Ned um das Ding zu retten, sondern um dieses alte mentale „Klick“ zu spüren: „Was, wenn i’s probier?“ Wennst das ein paar Mal gfühlt hast, wird’s seltsam süchtig machend.
Wenn dein Daumen in der Schlange Richtung Handy zuckt, merk’s und wart fünf Atemzüge. Ned als strenge Regel, eher als Experiment. Wennst mit wem streitest, widersteh dem Reflex, dich in Text zurückzuziehen. Frag, ob ihr’s ausredets – mit unangenehmer Stimme und allem. An einem faulen Sonntag erlaub dir, a bissl gelangweilt zu sein, und schau, welche Idee nach dem Unbehagen auftaucht.
Du versuchst ned, die 70er zu cosplayen. Du stiehlst dir ihr Trainings-Umfeld in Dosen, die zu deinem Leben passen. Kleine, wiederholte Reibungen wachsen langsam zu denselben mentalen Hornhaut-Schichten.
„Wir haben glaubt, wir bringen einfach die Zeit um“, sagt eine Frau, die in den 70ern breit am Linoleumboden gelegen ist. „Dabei haben wir unseren Kopf trainiert.“
- Such dir einen täglichen Moment, wo du offline bleibst (Dusche, Pendeln, erste 15 Minuten nach dem Aufwachen).
- Reparier diesen Monat ein Objekt, bevor du was Neues kaufst.
- Lass ein Foto unbearbeitet und teil’s trotzdem.
- Plan ein langes Gespräch ohne Screens in der Nähe.
- Wähl ein Ziel, das mindestens drei Monate dauert, und track es auf Papier.
Was diese „vintage“ Stärken heute über uns sagen
Wennst genau hinschaust auf Menschen, die in den 60ern und 70ern aufgwachsen san, siehst ned nur Nostalgie; du siehst eine andere psychologische Landschaft. Längere Stillen. Weniger Auswahl. Langsameres Feedback. Härtere Grenzen. Daraus san neun mentale Stärken entstanden – fast zufällig: Resilienz, Geduld, innere Richtung, Toleranz für Unperfektheit, tiefe Bindungen.
Man kann die Zeit romantisieren und ihre Schatten vergessen – aber das Training, das sie den Köpfen gegeben hat, is real. Und leise beneidenswert.
An einem schlechten Tag is es verlockend zu glauben, wir san heut schwächer. Ganz so stimmt’s ned. Unsere Umgebung is lauter und fordernder. Unsere Nervensysteme sprinten, wo ihres gegangen is. Es geht ned drum, ihr Leben zu kopieren, sondern sich ihre Gewohnheiten auszuborgen, wo’s noch Sinn macht.
Im Bus, im Café, am Familientisch siehst vielleicht beide Epochen nebeneinander: der Teenager, der schnell wischt, und die ältere Person, die einfach … herumschaut. Irgendwo dazwischen liegt a Balance, die’s wert is, ausprobiert zu werden. Und vielleicht is die echte Frage ned „Wer hat’s besser ghabt?“, sondern: „Welche mentalen Stärken wollen wir als Nächstes weitergeben?“
FAQ:
- San Leut aus den 60ern und 70ern wirklich mental stärker? Ned automatisch. Sie san von anderen Bedingungen geprägt worden, die manche Stärken aufgebaut haben – und auch blinde Flecken. Der Punkt is, zu schauen, welche dieser Stärken heut nützlich san, ned a ganze Generation zu idealisieren.
- Kann wer, der später geboren is, dieselben 9 Stärken entwickeln? Ja. Das san trainierbare Fähigkeiten, ka genetische Geschenke. Du kannst sie aufbauen, indem du kleine Stücke von dieser langsameren, praktischeren Umgebung in deinen Alltag einbaust.
- Is dauerndes Handy-Nutzen wirklich schlecht für unsere Resilienz? Schwerer, kontinuierlicher Gebrauch kann Fokus, Langeweile-Toleranz und Emotionsregulation schwächen. Kurze, bewusste Pausen helfen dem Gehirn, sich zu resetten und diese Kapazitäten wieder aufzubauen.
- Wie fang i an, wenn i mich „süchtig“ nach Reizen fühl? Starte mit sehr kurzen „Mikro-Lücken“: 2–3 Minuten nix, bevorst das Handy aufsperrst, oder ein fünfminütiger Spaziergang ohne Audio. Verlänger diese Fenster langsam, sobald sie weniger unangenehm werden.
- Was, wenn meine Kindheit in den 60ern–70ern traumatisch war? Harte Erfahrungen können alle generationalen Stärken überdecken. Therapie und Unterstützung san wichtiger als Nostalgie. Vielleicht trägst trotzdem ein paar von diesen Skills in dir – aber Heilung geht immer vor.
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