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Psychologen sagen, dass das Grüßen fremder Hunde auf der Straße typisch für bestimmte Persönlichkeitseigenschaften ist.

Frau mit zwei Hunden an der Leine spaziert auf einer sonnigen Straße, während jemand einen der Hunde streichelt.

Die Frau im gelben Mantel wird ned langsamer.

Sie is z’spät dran, Handy in der Hand, die Taschn rutscht ihr von der Schulter. Und trotzdem: Wie sie am Goldie vorbeigeht, der vorm Bäcker angebunden is, hebt’s kurz die Finger und macht a schnelles, a bissl ung’schicktes Winken. Ka Streicheln. Ka Wort. Nur so a winziges „Hallo“ in die Luft, als würd’s an Nachbarn auf da andern Straßenseit grüaßen.

Da Schwanz vom Hund fangt an gegen die Bank zu trommeln. Die Frau grinst für sich und verschwindet im Verkehr. Zwa Fremde, a stummer Gestus, geteilt für ned amoi zwoa Sekunden. Es schaut aus wie nix.

Psycholog*innen sagen: Es is überhaupt ned nix.

Der komische Stamm der Leit, die fremde Hunde anwinkn

Wennst amoi drauf achtest, kannst es nimma „ent-sehn“. Beim Zebrastreifen hebt a Kerl im Anzug die Hand zu an zotteligen Terrier im Kinderwagerl. Am Bahnsteig gibt a Teenager mit Kopfhörern an winzigen Salut zu am verschlafenen Bulldog. Ka Kontakt, ka „Darf i eana Hund streicheln?“, nur des eigenartige kleine Winken, des a Herzschlag lang in da Luft hängt.

Leit, die des machen, merken’s oft ned amoi. Der Körper reagiert einfach. In der Art, wie die Hand hochschwebt, is was fast Kindliches. Als würd a Teil von ihnen immer no glauben, dass jedes freundliche Wesen a Begrüßung verdient – sogar mitten in am kalten, grauen Arbeitsweg.

Psycholog*innen, die Alltags‑Mikroverhalten untersuchen, schaun si dieses Muster immer öfter an. Ned, weil Hundeanwinken „süß“ oder „skurril“ is, sondern weil’s zu a ganzen Gruppe von Persönlichkeitseigenschaften passt, die oft gemeinsam auftreten: hohe Empathie, soziale Neugier und a grundsätzlich offene Art, durch d’Welt zu gehen. Des winzige Winken kann mehr verraten, als man glaubt.

Nimm a kleine Studie aus am Uni‑Psycholabor in Nordeuropa. Freiwillige san gefilmt worden, wie’s a stark belebte Straße entlanggehen – mit Kameras und, ganz wichtig, mit vielen strategisch platzierten Hunden samt Besitzer*innen. Danach haben die Teilnehmenden lange Persönlichkeitstests ausgfüllt: Extraversion, Verträglichkeit und a Eigenschaft, die Forschende „tender‑mindedness“ nennen (so in etwa: weichherzig).

Das Muster war erstaunlich stabil: Wer bei Empathie und Offenheit für Erfahrungen hoch g’scort hat, hat deutlich öfter fremde Hunde wahrgenommen und anerkannt. Ned nur streicheln – auch schaun, lächeln, winken oder was sagen. Unter ihnen waren die „Winker*innen“ a eigene kleine Gruppe: mehr Blickkontakt, mehr Lachen, und sie ham sich selber öfter als „leicht berührbar durch Tiere oder Musik“ beschrieben.

A Forscher hat ma von ana Frau erzählt, die’s „Die Botschafterin“ g’nannt haben. Sie hat fast jedem Hund zugenickt oder z’gwinkt, der vorbeikommen is – sogar wenn’s sichtlich pressiert hat. Am Papier hat sie extrem hoch bei dem abgeschnitten, was Psycholog*innen „prosoziale Orientierung“ nennen. Heißt: Sie is jemand, der andere instinktiv in seinen mentalen Raum einlädt – auch wenn des „Andere“ a keuchender Mops is.

Aus psychologischer Sicht is der Gestus a winziges soziales Risiko. Du sendest a freundliches Signal, ohne Garantie, dass es überhaupt bemerkt oder erwidert wird. Das allein is schon spannend. Menschen mit weniger Offenheit oder mehr sozialer Angst vermeiden solche Mikro‑Angebote oft – besonders bei fremden Haustieren. Das Winken is wie a kleiner Testballon für Verbindung.

Es is außerdem a nonverbale Art, das Tier zu „vermenschlichen“. Wennst „Hallo“ winkst, behandelst den Hund wie an sozialen Partner, ned wie Kulisse. Das hängt stark mit dem zusammen, was Forschende anthropomorphes Denken nennen: Tieren ein Innenleben, Gefühle, sogar „Meinungen“ zuzuschreiben. Und des wiederum hängt oft mit Kreativität und emotionaler Sensibilität zusammen. Die gleiche mentale Verdrahtung, mit der du dir den Blickwinkel vom Hund vorstellen kannst, hilft dir oft auch dabei, den von anderen Menschen zu sehen.

Auf einer tieferen Ebene zeigt dieses kleine Handgelenkszucken, wie durchlässig deine emotionalen Grenzen sind. Bist du der Typ Mensch, der sich von am Hund von Fremden den Tag aufhellen lässt, oder hältst du die Tür lieber zu, damit du effizient und geschützt bleibst? Da gibt’s ka moralische Punktewertung. Es is einfach a andere Art, durch die Stadt – und durchs Leben – zu gehen.

Was dein Hunde‑Winken wirklich über dich aussagen könnt

Wennst dich dabei erwischst, dass du fremden Hunden zuwinkst, würd die Psychologie sagen: Wahrscheinlich bist du hoch bei „Verträglichkeit“ (Agreeableness). Das is im Big‑Five‑Modell die Eigenschaft, die mit Freundlichkeit, Wärme und Kooperationsbereitschaft verbunden is – statt Konkurrenzdenken. Einen Hund zu grüßen is a sanfter, fast a bissl alberner Akt von Freundlichkeit. Du kriegst nix dafür – außer an kleinen Moment geteilter Freude.

Viele Hunde‑Winkerinnen sind auch hoch bei Offenheit für Erfahrungen. Sie nehmen kleine Details wahr. Sie mögen Neuigkeit, Geschichten, Charaktere – sogar vierbeinige. Auf einem vollen Gehsteig sind’s die, deren Aufmerksamkeit zur wedelnden Rute wandert, ned nur zur flackernden Ampel. *Ihre innere Welt is a bissl durchlässiger, reagiert stärker auf solche kleinen Reize von außen.

A zweite Eigenschaft taucht da oft leise mit auf: emotionale Ausdrucksfähigkeit. Winken is sichtbar. Du gibst a Stückerl von dir preis. Du sagst in der Öffentlichkeit: „Der Hund macht mi grad glücklich.“ Menschen, die ihre Gefühle blockieren, machen des meistens ned. Wer sich mit Mikro‑Emotionen wohlfühlt – sogar gegenüber Fremden – lässt die Hand fast automatisch hochgehen. Der Gestus is winzig, aber die psychologische Maschinerie dahinter is komplex.

An einem regnerischen Nachmittag vorm Supermarkt in Manchester hab i an Mann in seine Fünfziger beobachtet, wie er bei am Border Collie stehen bleibt, der an einem Fahrradständer angebunden war. Er hat den Hund ned ang’fasst. Stattdessen is er a paar Meter weg g’standen, hat die Hand gehoben und langsam, bewusst gwinkt. Der Collie hat den Kopf schief gelegt, hat sich gerader hingesetzt und einmal gwedelt – dieses vorsichtige, ratlose Wedeln, wenn Hunde versuchen zu verstehen.

Später hab i mit ihm geredet. Er hat g’sagt, er is in am Haushalt aufgwachsen, wo Tiere ned erlaubt waren. Als Erwachsener hat sein Lebensstil nie ganz zu am Hund gepasst. „Also jetzt“, hat er halb lachend g’sagt, „sag i halt bei allen andern ihren Hallo.“ Diese kleine Beichte sagt viel. Sein Winken war ned zufällig. Es war a leises Ritual, das a Lücke füllt, die er anderswo bewusst ned füllen wollt.

Im Großen zeigen Umfragen aus der Heimtier‑Branche: Menschen, die sich als „Hundemenschen“ sehen, beschreiben sich öfter als gesellig, zärtlich und vertrauensvoll. In einer US‑Umfrage hatten selbsternannte Hundefans höhere Werte bei Energie und „Sensation Seeking“ (Lust auf Aufregung) als Katzenfans. Wennst dann noch das Hunde‑Winken dazunimmst, ergibt sich oft, was Psycholog*innen a „sicheren“ Beziehungsstil nennen: Nähe is okay, und man hat ned panische Angst davor, auf der Straße a bissl deppert auszuschauen.

Wir kennen’s alle: a Moment, wo das Haustier von am Fremden plötzlich die Hauptrolle in deinem Tag spielt. Bei manchen bleibt’s beim Hinschaun. Bei andern wird’s zu so am Mini‑Ritual: wahrnehmen, lächeln, weitergehen. Der Hund kennt deinen Namen nie – aber dein Nervensystem hat grad a kleinen Schub Oxytocin kriegt, des Bindungshormon. Hunde‑Winker*innen berichten oft, dass sie sich nach solchen Mikro‑Kontakten „komisch erleichtert“ fühlen, als hätt’s zwischen E‑Mails und Deadlines a kurzen emotionalen Stretch gegeben.

Unterm Strich is es simpel: Menschen, die fremden Hunden zuwinken, sind meistens Menschen, die sich von ganz kleinen Dingen noch bewegen lassen.

Wie du fremde Hunde grüßt, ohne komisch – oder unsicher – zu sein

Wennst zu den Hunde‑Winkerinnen gehörst, gibt’s a einfache Regel, die Verhaltensbiologinnen immer wieder sagen: Das Winken is für dich, ned für den Hund. Direkter Blickkontakt und „drüberhängende“ Hände können manche Tiere stressen – besonders Tierschutz‑Hunde oder ängstliche Rassen. Die sicherste, freundlichste Variante is daher recht subtil.

Dreh deinen Körper leicht weg, mach den Blick weich, und heb die Hand höchstens bis Brust‑ oder Schulterhöhe. Denk weniger an a großes „Servas, Hawara!“ und mehr an a ruhige Anerkennung: I seh di, i find’s schön, dass es di gibt. Wenn der Hund entspannte Signale zeigt – lockerer Körper, weiche Augen, sanftes Wedeln – und die Besitzerin/der Besitzer wirkt offen, kannst immer noch mit am kurzen „Darf i hallo sagen?“ nachfragen, bevorst näher hingehst.

Viele haben Angst, sie machen’s „falsch“. Sie wollen niemanden nerven oder a nervöses Tier erschrecken. A guter Trick is: lies zuerst den Menschen. Kurzer Blickkontakt, a halbes Lächeln, vielleicht der Beginn von ana Frage. Wenn die Person zurücklächelt, is das praktisch grünes Licht für alles, was über ein Winken aus der Distanz hinausgeht.

Hundetrainer*innen sagen, der größte Fehler is, direkt in den Raum vom Hund reinzuschießen – Hand ausgestreckt, hohe Stimme schon im Übersteuerungsmodus. Seien wir ehrlich: Ka Mensch macht das wirklich jeden Tag, aber genug machen’s, dass man’s sagen sollt. Für sensible Hunde fühlt sich das an wie: a Fremder schreit dir ins G’sicht und stupst dir gleichzeitig auf die Schulter.

Es hat auch was sanft Selbstschützendes, wenn man den Gestus klein hält. Du kriegst deine Mikro‑Dosis Zuneigung, ohne irgendwas einzufordern. Ka peinliche Situation, ka erzwungenes Tratschen mit wem, der eh weitergehen will. A Winken is low‑stakes, low‑pressure, high‑reward.

„Die Straße is a ständige Verhandlung zwischen privatem und gemeinsamem Raum“, erklärt die in London tätige Psychologin Dr. Amelia Hart. „Wenn wer einem Hund zuwinkt, macht er den anonymen Gehsteig für an kurzen Moment weicher, menschlicher. Es is fast wie: ‚Wir sitzen eh alle im selben Boot, oder?‘ – aber in a Form, die sich sicher anfühlt.“

Für alle, die sich in der Gewohnheit wiedererkennen, hier a kurzer mentaler Spickzettel, damit’s geschmeidig bleibt:

  • Schau zuerst kurz zur Besitzerin/zum Besitzer, dann zum Hund: zwoa Sekunden reichen.
  • Wink klein und entspannt, ned hektisch und ned „drüberhängend“.
  • Wenn der Hund angespannt wirkt oder Blickkontakt meidet: bleib beim Hallo aus der Distanz.
  • Vor’m Angreifen fragen – und a „Nein“ ned persönlich nehmen.
  • Spür danach in di eini: fühlst di leichter, ruhiger, verbundener?

Die leise Kraft von dem winzigen „Hallo“

Setz di an einem Nachmittag in die Nähe von einem stark frequentierten Parkeingang und schau. Der Jogger, der grad so weit abbremst, dass er zwoa Finger zu am keuchenden Labrador hebt. Der Zusteller, die Händ voll Pakete, der einem Dackel im Regenmantel schüchtern mit’m Kinn zunickt. Die Studentin, die einen Ohrstöpsel rausnimmt, „Hi, Baby“ flüstert und dieses kleine, depperte Winken macht, das man für Babys und Hunde verwendet.

Jeder Gestus is im nächsten Herzschlag weg. Aber wennst sie aneinanderreihst, siehst auf einmal a weiche Infrastruktur von Freundlichkeit, die sich durch die Stadt zieht. Die Leute organisieren ka Nachbarschaftsfest und rennen ka Wohltätigkeitsverein. Sie lassen einfach a bissl Wärme in den öffentlichen Raum auslaufen – ein Hund nach dem andern. Es repariert nix Großes. Es macht den Tag nur a Spur weniger hart.

Psycholog*innen könnten diese Wärme mit präzisen Begriffen etikettieren – hohe Verträglichkeit, sichere Bindung, prosoziale Tendenzen. Am Gehsteig schaut’s viel einfacher aus: Es is der Teil in dir, der sich weigert, komplett zu verpanzer’n. Der Teil, der’s aushält, a bissl lächerlich zu wirken, um a winzigen Funken Verbindung zu spüren. Manchmal is der Funke mit einem Menschen. Manchmal is er mit einem wedelnden Fremden auf vier Beinen.

Vielleicht verbreitet sich genau drum das Bild von wem, der einem zufälligen Hund zuwinkt, so schnell im Internet. Es trifft eine Sehnsucht nach kleinen, echten „Lebenszeichen“-Momenten, die durchs Scrollen und den Stress durchschneiden. Wennst dich da wiederfindest: Du bist ned allein. Vielleicht bist Teil von einem unsichtbaren Stamm – weichkantig, a bissl sentimental, still hoffnungsvoll, dass die Welt immer no a Ort sein kann, wo ma grüßt, wer – und was – den Tag a bissl leichter macht.

Kernpunkt Detail Nutzen für Leser*innen
Persönlichkeitssignal Fremde Hunde anwinken hängt mit Empathie, Offenheit und Wärme zusammen Hilft dir zu verstehen, was diese kleine Gewohnheit über dich verraten kann
Soziales Mikro‑Ritual Der Gestus schafft flüchtige, risikoarme Momente von Verbindung im öffentlichen Raum Zeigt, wie kleine Handlungen verändern können, wie sich dein Tag anfühlt
Praktische Etikette Subtiles, respektvolles Winken und das Lesen der Signale von Besitzer*innen halten Hund und Mensch entspannt Gibt dir a einfache Art, wie du’s weiter machen kannst, ohne Grenzen zu überschreiten

FAQ:

  • Is es a Zeichen, dass mit mir was ned stimmt, wenn i fremden Hunden zuwink?
    Überhaupt ned. Forschung deutet eher drauf hin, dass es mit positiven Eigenschaften wie Empathie, Offenheit und einem freundlichen sozialen Stil zusammenhängt.
  • Nervt’s Hundehalter*innen, wenn Fremde ihre Tiere anwinkn?
    Die meisten stört a distanzierter, sanfter Gruß ned. Was eher nervt: hinrennen, ohne zu fragen angreifen oder den Weg versperren.
  • Können Introvertierte auch zu den Leit gehören, die Hunden zuwinkn?
    Ja. Viele Introvertierte mögen den stillen, druckfreien Kontakt mit Tieren, weil er verbindet, ohne Gesprächspflicht.
  • Is es sicherer, Blickkontakt zu vermeiden und einfach zu winken?
    A weicher, kurzer Blick plus kleines Winken is meistens okay. Langer, intensiver Blickkontakt kann für manche Hunde bedrohlich wirken.
  • Kann i mi „trainieren“, offener zu werden, indem i auf der Straße Hunde grüß?
    Du kannst damit sanft deine soziale Komfortzone erweitern. Es is a risikoarmer Weg, alltägliche Wärme und Präsenz zu üben.

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