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Wer im Jänner zu viel Gas gibt, riskiert im Frühling ein Burnout.

Frau sitzt an Schreibtisch mit Notizblock und Tasse Kaffee, öffnet Schublade unter Fenster mit Pflanze und Kalender.

Der Fitnessraum war bummvoll – so richtig „Jänner-bummvoll“, wo’d zwischen Fremden umeinandertanzen musst, nur damitst überhaupt zum Laufband kommst.

Handys waren offen auf Gewohnheits-Tracking-Apps, Apple Watches haben vibriert, und die Leit haben ihre „neues Jahr, neues Ich“-Pläne lauter als die Musik ausg’schüttet. Im Büro unten waren die Kalender auf einmal voll mit „Kick-off“-Meetings und „Q1 Stretch Targets“. Slack-Status sind in der Früh früher auf Grün g’sprungen. Die Kaffeebecher sind größer word’n.

Für a paar Wochen hat’s g’wirkt wie Strom in der Luft. Als hätten alle heimlich an Vertrag unterschrieben, bis März a bessere Version von sich zu werden. Härter hackeln. Früher aufstehen. Zu allem Ja sagen.

Mitte März war’s Fitnessstudio halb leer. Deadlines haben schwerer g’wog’n. Der Freund, der jeden Tag Sonnenaufgangsläufe gepostet hat, war plötzlich still auf Instagram Stories. Die Energie is net einfach weniger word’n – sie is abgstürzt. Und dieser Absturz hat a Muster.

Warum der Jänner-Sprint im Frühling zum Crash wird

Der Jänner hat a komische Macht über die Leit. Die gleichen Aufgaben, die sie im November ignoriert haben, werden plötzlich dringend – moralisch, fast heilig. Arbeitsziele, Side Projects, Diätpläne, neue Schlafroutinen. Alles fangt gleichzeitig an, in an Schub aus Hoffnung und Selbststress.

Am Anfang fühlt’s sich gut an. Du hast schnelle Erfolge. Du fühlst di diszipliniert, fast wie a Held. Du sagst „Ja“ zu Extraarbeit, zu neuen Verantwortungen, zu E-Mails spät in der Nacht – weil dieses Jahr wird anders.

Die versteckten Kosten siehst net am dritten Tag. Du spürst’s so um Woche zehn.

A Marketingagentur in London hat die selbstberichteten Energielevel vom Team übers Jahr verfolgt. Der Jänner war laut und euphorisch. Die Leit sind länger blieben „nur dieses eine Mal“, um g’scheit zu starten. Kaffeeläufe sind zur Kultur word’n. Die Agentur hat frühe Ziele pulverisiert und auf LinkedIn damit geprahlt.

Bis Ende März sind die Krankenstände raufgangen. Es hat „Quiet Quitting“-Geraune geben. Zwei von den besten Kreativen haben um unbezahlten Urlaub „zum Reset“ gebeten. Projekte sind weiterhin geliefert word’n, aber die Freude war weg. Alles hat sich schwerer, langsamer, fragiler ang’fühlt.

Sie haben zwischen Jänner und April net plötzlich schlechtere Leute eingestellt. Die Arbeit is net explodiert. Was sich geändert hat, war das Tempo – und die Geschichte, die sich alle selber erzählt haben, wie hart sie „müssen“ pushen, damit sich das neue Jahr auszahlt.

Der menschliche Körper schert sich net um Kalender-Resets. Dein Nervensystem reset’t net, nur weil das Datum umspringt. Wennst in den Jänner einisteigst wie a Sprinter, behandelst das ganze Jahr wie an 100-Meter-Lauf statt wie an Marathon. Adrenalin trägt di a Zeitl, und das täuscht di: „I pack das schon.“

Dann kommen die normalen Reibungen. A krankes Kind. A Projekt, das sich zieht. A Führungskraft, die „nur noch eine Priorität“ drauflegt. Routinen, die auf Maximalleistung gebaut sind, haben ka Luft drin. Jede zusätzliche Anforderung wird zur Bedrohung.

Burnout kommt selten als ein dramatischer Zusammenbruch. Es is eher die langsame Fehlanpassung zwischen deinem täglichen Output und deiner tatsächlichen Kapazität. Der Jänner verstärkt diese Fehlanpassung, weil du dein Leben für deine besten Tage planst – net für die durchschnittlichen.

Wie du a Winter-Tempo planst, das du im Frühling noch durchhältst

A praktische Umstellung: Starte ins Jahr mit 70%, net mit 110%. Klingt kontraintuitiv in a Kultur, die nach großen Vorsätzen süchtig is. Aber die Leit, die im Mai noch stehen, noch ruhig sind, noch sinnvolle Arbeit machen, sind oft die, die im Jänner still „kleine, fad wirkende Baselines“ setzen.

Statt da vorzunehmen, um 5 Uhr früh die Wunder-Morning-Routine zu machen, such dir ein nicht verhandelbares 20-Minuten-Ritual, das deine Energie schützt: a langsamer Spaziergang nach dem Mittagessen. A Stunde ohne Bildschirm vor’m Schlafengehen. A wöchentliche Review, wo du zu etwas bewusst Nein sagst.

Bau deinen Jänner so, als wärst eh schon müde – net so, als wärst am ersten Tag a Superheld.

Noch a konkreter Schritt: Trag „Erholungsblöcke“ in deinen Kalender ein – genauso ernst wie Meetings. Diese 30 Minuten Weißraum zwischen Calls. Ein Nachmittag alle zwei Wochen ohne Zoom. A arbeitsfreier Sonntag, der net verhandelbar is.

Seien wir ehrlich: Das macht wirklich kaum wer jeden Tag. Die Leit probieren’s ein-, zweimal und rutschen dann wieder in „I ruh mi aus, wenn’s ruhiger wird“. Es wird selten von selber ruhiger. Schon gar net im Q1.

Also schützt du diese Blöcke a bissl stur. Du gibst Kolleg:innen einfache Worte: „Da bin i im Fokus, lass uns an anderen Slot finden.“ Du schützt die Schlafenszeit so, wie’d die von am Kind schützen würdest. Du akzeptierst, a bissl „weniger verfügbar“ auszusehen, damitst im Frühling weniger hin bist.

Ein Tech Lead, mit dem i gred’t hab, hat den Wechsel so beschrieben:

„Früher bin i ins Jahr gstartet mit: Beförderung holen, für alles freiwillig melden. Bis April hab i meinen Job gehasst. Jetzt start i damit, dass i zuerst Erholung einplan – und dann schau i, wie viel Arbeit rundherum überhaupt reinpasst, net umgekehrt.“

Dieses Mindset kann in leistungsfixierten Arbeitsplätzen oder Freundeskreisen, wo’s „Grind Levels“ wie Punkte vergleichen, radikal wirken. Aber es schützt – leise und zuverlässig.

  • Starte neue Gewohnheiten auf einem Level, den’d auch in a schlechten Woche halten könntest.
  • Sag „für jetzt Nein“ statt „für immer Ja“ zu neuen Verpflichtungen.
  • Behandle Schlaf, Essen, Bewegung und Freizeit als Infrastruktur, net als Belohnung.

Im Kern geht’s darum, zu entscheiden: Funktional und präsent im Mai sein is wichtiger, als im Jänner beeindruckend auszuschauen.

Erfolg neu denken: zwischen Neujahrsfeuerwerk und Ostern

Es gibt an Grund, warum so viele im Frühling komisch beschämt sind. Die Jänner-Version von ihnen hat Ziele gesetzt, die das echte Leben net dauerhaft trägt. Ziele, gemacht im Glanz vom Feuerwerk, treffen dann auf Rechnungen, Stress, Langeweile, pflegebedürftige Eltern, Schulstreiks, graues Wetter. Und die innere Story kippt still von „I bin motiviert“ zu „I versag“.

Wir kennen alle den Moment: Der Planner schaut wunderschön aus, die Apps sind farbcodiert, die Ziele hängen am Kühlschrank … und der Körper sagt einfach „Na“. In dieser Lücke zwischen Erwartung und Kapazität wächst Burnout. Net sofort, sondern Körndl für Körndl.

Ein Ausweg: Hör auf, den Jänner als „Urteilsmonat“ zu behandeln, und sieh ihn eher als Probelauf. Du probierst Sachen aus. Du merkst, wie dein Schlaf reagiert, wennst frühes Training und späte E-Mails kombinierst. Du hörst hin, wenn sich Wochenenden nach mechanischer Reparatur anfühlen statt nach echter Erholung.

Kernpunkt Detail Nutzen für dich
Mit 70% starten Routinen so bauen, dass’d sie auch müde oder gestresst halten kannst Senkt das Risiko, im März oder April einzuknicken
Erholung einplanen Zeit für Ruhe, Schlaf und Deep Work blocken, bevor du Extra-Aufgaben draufpackst Macht deine Energie – net deinen Ehrgeiz – zum Referenzpunkt
Im Frühling reviewen Den März als Checkpoint nutzen, um Ziele und Tempo anzupassen Verhindert „stilles Burnout“, wo’d im Autopilot weiterläufst

Nix davon is glamourös. Es bringt dir wahrscheinlich weniger Likes als a 5‑Uhr‑Time‑Lapse vom Schreibtisch und Latte Art. Aber es baut still was Stabileres als kurzfristige Motivation: an Lebensrhythmus, der di net jeden Frühling zerkaut und grad rechtzeitig vor’m Sommerurlaub wieder ausspuckt.

FAQ:

  • Warum bin i im März so erledigt, obwohl der Jänner produktiv war?
    Weil’d dein Tempo wahrscheinlich nach deinen motiviertesten Tagen als „Normalzustand“ eingestellt hast. Über Wochen saugt die Lücke zwischen „Ideal-Ich“ und „Alltags-Ich“ Körper und Kopf aus.
  • Is es falsch, große Neujahrsvorsätze zu setzen?
    Große Visionen können hilfreich sein, aber die täglichen Schritte müssen klein genug sein, dass’d sie auch durch Wochen mit wenig Energie trägst. Wenn dein Plan nur an perfekten Tagen funktioniert, hält er net.
  • Wie merk i den Unterschied zwischen normaler Müdigkeit und beginnendem Burnout?
    Schau auf Anzeichen wie Widerwillen, emotionale Taubheit und das Gefühl, dass dich Ruhe nimma wirklich regeneriert. Wenn Wochenenden nimmer helfen, is das a Warnsignal.
  • Was is a einfache Gewohnheit, um den Frühling-Crash zu vermeiden?
    Such dir a wöchentlichen „Reset-Slot“, wo’d deine Verpflichtungen durchgehst und zu mindestens einer Sache Nein sagst, die mehr nimmt als sie zurückgibt.
  • Was, wenn mein Arbeitsplatz an Jänner-Sprint erwartet?
    Du kontrollierst die Kultur vielleicht net – aber deine Grenzen schon: realistische Deadlines, geschützte Abende, ehrliche Gespräche über Kapazität, bevor’d gegen die Wand fährst.

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